Ueli Burkhalter

Gedanken zum Juli

Brot<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirche-diessbach.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>215</div><div class='bid' style='display:none;'>6021</div><div class='usr' style='display:none;'>9</div>

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein...

Der Sommer verwöhnt mich mit seiner Wärme und den langen Abenden, die ich gerne im Freien verbringe. Mir kommt das sommerliche Leben einfacher und leichter vor.

Das Reich Gottes hat etwas von dieser Leichtigkeit. In kurzen, einfach verständlichen Gleichnissen lesen wir im Matthäus Evangelium vom Reich Gottes:

«Mit dem. Himmelreich ist es wie mit dem Sauerteig, den eine Frau unter einen grossen Trog Mehl mischte, bis das Ganze durchsäuert war.» (Mt 13,33)

Brot backen braucht Zeit und Erfahrung. Wir kaufen in der Regel unser tägliches Brot. In den Lockdown-Wochen zu Hause hat manch einer selbst Brot gebacken, Hefe angerührt, vielleicht sogar selber Sauerteig angesetzt und das Backen – wieder – entdeckt.

Im Rahmen eines Schulpraktikums während meines Studiums habe ich vor vielen Jahren Achtklässler in eine Landschulwoche begleitet.

Ich hatte mir das Thema «Brot» ausgesucht. Sauerteig anzusetzen und am Schlusstag das eigene Brot backen und geniessen zu können, war mein praktisches Ziel mit der Klasse.
Mit drei verschiedenen Mehlsorten wurden Sauerteige angesetzt. Hingebungsvoll und gewissenhaft pflegten die Jugendlichen ihren Sauerteig.

Selbst spät in der Nacht – sogar am frühesten Morgen, scheuten sie den Weg in die Küche nicht, um die Entwicklung des Teiges zu kontrollieren und hier und da noch etwas nachzufüttern.
In einer kühlen Nacht fanden die Sauerteigschüsselchen sogar den Weg ins Matratzenlager, wahrscheinlich sogar in einen warmen Schlafsack.

Gegen Ende der Woche wurde ich recht unruhig. Würde es klappen mit unseren Sauerteigbroten? Könnten wir wirklich am letzten Tag die eigenen frisch gebackenen Brote essen oder müsste ich eilends noch zum Bäcker fahren.

Die angesetzten Sauerteige sahen gut aus, rochen gut, daneben standen etliche Mehltüten mit Roggen- und weiteren Mehlmischungen. Es wurde geknetet, gelacht, probiert, geknetet und gewartet, sehr lange gewartet. Endlich kamen die Brote in den Ofen, es duftete herrlich in unserem Pfadiheim, viele wunderschöne Brote konnten wir aus dem Ofen holen.

Mit Salat und Käse war es ein köstliches Znacht. Das Brot schmeckte angenehm würzig. Es schmiegte sich ganz zart an den Gaumen, ohne zu kleben. Es war knusprig ohne hart zu sein.
Die frischen Brote schwanden dahin und die Laibe, die für das Abschlussfrühstück bestimmt waren, mussten wir Leitenden energisch verteidigen.

Ich habe später immer wieder versucht, solch feines Sauerteigbrot zu backen. Es ist mir bis jetzt nicht mehr so gut gelungen. Am alten Backofen des Pfadiheims, dessen Tür man mit einer Latte in Position halten musste, kann es nicht gelegen haben.

Ich denke, dass es an der hingebungsvollen Pflege lag, den die Schülerinnen und Schüler «ihrem» angesetzen Sauerteig rund um die Uhr haben angedeihen lassen.

Immer ein bisschen füttern, pflegen, wärmen, lüften, beobachten, wieder ruhen lassen.
Nicht jeden Tag wird Brot gebacken, doch der Sauerteig des Lebens will jeden Tag gepflegt und gefüttert sein, damit er unsere Beziehungen, unsere Gedanken, unsere Arbeit, unser ganzes Leben, verwandeln kann und alles schliesslich leichter verdaulich, schmackhafter und bekömmlicher für uns wird.

Wie füttern Sie den «Sauerteig» Ihres Lebens? Sind Lieder, Gebete, Spaziergänge die Fermente ihres Rezeptes, oder Gespräche, Bewegung, Farben?

Ich wünsche Ihnen glückliche und unbeschwerte Sommertage.

Susanne Kühlhorn,
Bereitgestellt: 03.07.2020     Besuche: 66 Monat 
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