Ueli Burkhalter

Wochentext Woche 14

kb104_regenbogen_base_3<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirche-diessbach.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>215</div><div class='bid' style='display:none;'>5997</div><div class='usr' style='display:none;'>9</div>

Derzeit sieht man an Fenstern, Türen oder Balkongeländern viele liebevoll gemalte oder gebastelte Regenbogen. «Alles wird gut» oder «tutto andrá bene» wie es auf italienisch heisst. Diese, in Italien ins Leben gerufene Aktion, macht uns Mut – und nebenbei sind Malen und Basteln ist eine willkommende Abwechslung für Gross und Klein in den eingeschränkten Corona-Lockdown-Wochen.

Der Regenbogen in den Wolken verbindet: Sonne und Regen, Himmel und Erde, die Menschen untereinander, verschiedene Farben. Er lenkt unseren Blick himmelwärts, bringt uns dazu, unsere Perspektive zu wechseln und lässt uns staunen.
Mich macht dieses kraftvolle, farbige und vergängliche Ereignis aus Regen und Sonne glücklich.
«Meinen Bogen setze ich in die Wolken, er soll das Bundeszeichen sein zwischen mir und der Erde», heisst es im 1. Mosebuch im 9. Kapitel.
Das vorgängige 8. Kapitel überzieht unseren Horizont mit schwarzen Wolken. Es berichtet von einer Bedrohung von Mensch und Tier und der Umwelt. Eine vernichtende Sintflut überschwemmt die Erde und alles was auf ihr lebt.

Meine Konfirmandengruppe, die noch am Samstag vor dem Lockdown zusammen- kam, um aus einer Auswahl von Bibelstellen ihren Konfirmationstext auszuwählen, war erstaunt über die Aktualität dieser mythologischen Erzählung.
Sie verstanden die Bedrohung des Lebens, die angedrohte Vernichtung des Lebensraums als Folge des menschlichen Handelns. «Der Herr sah, dass auf der Erde die Schlechtigkeit des Menschen zunahm und dass alles Sinnen und Trachten seines Herzens immer nur böse war». Diese Passage beschäftigte die Jugendlichen am meisten. In manchen Übersetzungen wird das schlechte und böse Denken und Handeln mit «Freveln» übersetzt. Ein kaum mehr gebräuchliches Wort, das ausdrückt, gegen das Wohl der Gemeinschaft zu handeln.
Jeder schaut nur für sich, und strebt nach dem eigenen Vorteil. Der Hang zum Egoismus lässt den Menschen vergessen, dass als Teil der ganzen Schöpfung auch für sie verantwortlich ist.
Wenige Stunden später schränkte sich das Leben bei uns und in anderen Ländern stark ein.
Jetzt wird nicht mehr stundenlang gelädelet. Der Einkauf beschränkt sich auf die täglichen Lebensmittel. Ferienreisen und Wochenendausflüge sind annulliert, das Sporttraining gestrichen, gelernt wird zu Hause, gearbeitet wird zu Hause. Man bleibt zu Hause.
Und damit Menschen aus Risikogruppen sich wirklich schützen können, lässt man sich von den älteren Nachbarn nebenan den Kommissionenzettel geben und bringt der gesundheitlich angeschlagenen Bekannten gleichzeitig die Medikamente aus der Apotheke mit.
Freiwillige melden sich, um andere zu unterstützen. Manch einer greift zum Telefon, weil er sich vorstellen kann, dass sich jemand einsam fühlt, man macht sich Mut, schreibt Whatsapps, schreibt Briefe, malt Regenbogen auf seine Fenster.
Die eingeschränkten Tage haben unser Denken erweitert. Verständnis und Mitgefühl verscheuchen den Egoismus und zeigen uns, dass es auch anders geht.
Wir sitzen im gleichen Boot – der gleichen Arche – und wir sorgen uns umeinander, das wird uns in diesen Tagen und Wochen bewusst.
Eigennutz und Gier ist gewiss in uns verankert, doch haben wir die Wahl, anders zu leben, unsere Verantwortung wahr zu nehmen und die Welt mit unserem Mitgefühl und mit unserer Solidarität zu füllen.
Wir finden im Noahbund Gottes Zusage für unser Leben: Solange die Erde besteht, sollen nicht aufhören Aussaat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag
und Nacht.
Welch ein Geschenk!

Susanne Kühlhorn
Susanne Kühlhorn,
Bereitgestellt: 31.03.2020     Besuche: 58 Monat 
aktualisiert mit kirchenweb.ch