Kirchgemeinde Diessbach
Büetigen
Busswil
Diessbach
Dotzigen
 

Berichte auf www.kirche-diessbach.ch

Gemeindereise in den Osten Deutschlands

Semperoper Dresden<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirche-diessbach.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>75</div><div class='bid' style='display:none;'>1461</div>

Vom 20. bis 27. September war eine Gruppe von 40 Leuten aus der Kirchgemeinde Diessbach und andern Gemeinden unter der Leitung von Ueli Burkhalter, Busswil, unterwegs im Osten Deutschlands auf den Spuren von Martin Luther und Johann Sebastian Bach. Zusammen besuchte die Gruppe wunderschöne Städte, erlebte die weite, offene Landschaft der neuen deutschen Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen (Dreieck Dresden – Wittenberg – Eisenach) Daneben gab es Zeit für Feiern, Begegnungen und Gespräche.

Von Madeleine Affolter, Wengi

1. Tag – Samstag, 20. September
07.30 Start mit Reisebus der Firma Twerenbold in Busswil, Zustieg von Reiseteilnehmern in Büetigen, Diessbach, Dotzigen und Arch. Chauffeurwechsel in Pratteln, Emil Betschard übernimmt das Steuer. Auf geht’s mit 40 Personen über Basel, Freiburg, Karlsruhe, Nürnberg, Chemnitz nach Meissen, berühmt für das Porzellan mit den gekreuzten blauen Schwertern. Ankunft 19.50, 760 km ab Pratteln liegen hinter uns. Vom Hügel herab im Lichterglanz heissen uns Albrechtsburg und Dom willkommen. Zimmerbezug und Abendessen im Akzent Hotel Andree.

2. Tag – Sonntag, 21. September: Dresden
Einst Fischerdorf – dann Residenzstadt der Könige von Sachsen – jetzt Landeshauptstadt von Sachsen mit rund 500 000 Einwohnern. Wir geniessen die Rundfahrt durch Stadtteile entlang der Elbe, ursprünglich selbständige Orte, nach 1900 eingemeindet. Villen und Landhäuser mit gepflegten Gärten, mehrheitlich stilvoll renoviert, dominieren das Strassenbild. Weinberge zieren die Elbhänge. Standseilbahn und Bergschwebebahn sollen die ältesten ihrer Art sein.
Im Zentrum erinnert der „goldene Reiter“ an August den Starken (1670 – 1733), den König von Sachsen und Polen. Nach Originalplänen wieder aufgebaut steht hier auch die Semper-Oper. Von historischem Interesse ist das rund 100 m lange Wandbild „Der Fürstenzug“, ursprünglich ein Sgrafitto, seit 1905 aus 24 000 Meissner Porzellanfliesen. Es stellt die Geschichte des Hauses Wettin dar: Reiter, hoch zu Pferd, mit Federhüten und Zobelin gefütterten Mänteln! Zu den bekannten Bauwerken gehört auch der Zwinger, der nichts mit einem Zwinger nach unserem Begriff zu tun hat. Anfangs 18. Jh. erbaut, war der von barocken Bauten umgebene Platz für Spiele und festliche Anlässe bestimmt. Das Glockenspiel aus Meissnerporzellan über einem der Portale erfreut auch heute noch die zahlreichen Besucher aus aller Welt. Dresden gehört zum Weltkulturerbe und ist nach den Bombardierungen am Ende des 2. Weltkrieges zu neuem Glanz auferstanden. Ein eindrückliches Beispiel dafür ist die barocke Frauenkirche. Dank Spendengeldern aus der ganzen Welt konnte 1994 mit dem Wiederaufbau begonnen werden, 2005 wurde sie ihrer ursprünglichen Bestimmung übergeben. Täglich finden Gottesdienste statt, oekumenische Abendgebete und Konzerte. Ein Ort der Versöhnung nach schwierigen Jahren der Zerstörung und Unterdrückung! Der Rundgang auf der Kuppel ermöglicht den Besuchern einen Blick auf den Marktplatz mit dem Lutherdenkmal, umrahmt von wunderschönen Bürgerhäusern.
Am Nachmittag geniessen wir die Schifffahrt auf der Elbe. Flussaufwärts geht’s auf dem kleinen Raddampfer „Rathen“ bis zum „Blauen Wunder“, einer Stahlbrücke ohne Brückenpfeiler, die die Elbe zwischen Loschwitz und Blasewitz überspannt. Sie blieb übrigens im 2. Weltkrieg unversehrt.

3. Tag, Montag, 21. September: Leipzig, Stadt der Superlative!
• Zweitälteste Universität der heutigen BRD, Gründungsjahr 1409; hier studierten unter andern Goethe, Lessing, Erich Kästner, Nietzsche, Richard Wagner, Eduard Grieg und – Angela Merkel!
• Handelsmetropole seit dem Mittelalter: Messestadt, 1. Mustermesse 1895.
• Industriewerke: Buchdruck, Pianofabrik Blüthner, seit der Wende Siemens, Porsche, BMW, Audi, Honda, Mercedes.
• Musikstadt: Opernhaus, Gewandhausorchester; Johann Sebastian Bach komponierte hier als Musikverantwortlicher wöchentlich eine Kantate!
Villen mit Erkern und Gärten aus der Zeit um 1900. Wer möchte nicht an der Waldstrasse wohnen? Im romantischen Klein-Venedig? Selbst die ehemaligen, renovierten Plattenbauten machen einen guten Eindruck. Nicht nach unserem Geschmack ist das Völkerschlachtmonument. Betroffener macht uns das Mahnmal mit 160 leeren Stühlen, das an den Juden-Pogrom des Nationalsozialismus erinnert. Wenig erfreulich die Arbeitslosigkeit von 15 %, die Verschuldung von 1’741 Euro pro Kopf und nach der Wende die grosse Abwanderung in den Westen. Eine Folge davon ist der grosse Bestand an unvermieteten Wohnungen! Unvergesslich für die jetzige Generation, nachhaltig für kommende Generationen ist aber das Jahr 1989, das die Wende brachte: Im Zentrum der Stadt friedliche Demonstrationen gegen das SED-Regime. An Montagsandachten in der Nikolai-Kirche kam es zu ersten Protesten gegen die Diktatur der DDR. Unter den mehreren tausend Protestierenden waren viele junge Leute aus allen Schichten. Mit einer Säule und einer bronzenen Gedenktafel mit Fussabdrücken wird an jene Zeiten erinnert.

4. Tag, Dienstag, 22. September
Heute sind kleinere Orte angesagt: Wittenberg sowie Naumburg, beide im Bundesland Sachsen-Anhalt und Weimar in Thüringen, auf unserer Spurensuche von Luther und Bach bedeutungsvoll. Wittenberg im 16. Jahrhundert: 1517 schlug Luther seine berühmten 95 Thesen gegen den Ablasshandel an die Tür der Schlosskirche; Philipp Melanchthon brachte die Universität zum Vorbild protestantischer Hochschulen; Lucas Cranach der Ältere, Hofmaler, Besitzer einer Apotheke und einer Druckerei, war einer der reichsten Bürger der Stadt. Ihre Häuser sind heute Museen, Renaissancebauten, seit der Wende aufs Schönste restauriert. Gut bürgerlich, gepflegt und sauber präsentiert sich der Ort. Die bronzenen Gestalten von Luther und Melanchthon blicken schweigend auf den leeren Marktplatz. Wo einst der unruhige Geist Luthers und der geniale Gelehrte Melanchthon wirkten, wo Frauen wie Katharina von Bora mit ihren Mägden wirtschafteten, ist Ruhe eingekehrt. Anders wird es beim „Hundertwasser Gymnasium“ zugehen. Dem Plattenbau aus der DDR-Zeit wurde ein neues Kleid nach den Vorstellungen des Wiener Architekten verpasst. Farbenfroh, jung, keck und frech.
In Naumburg besuchen wir den Dom St. Peter und Paul. Er gilt als Schatzkammer für die Bildhauerkunst des Mittelalters. Den Westlettner, so wird die Schranke zwischen Chor und Langhaus bezeichnet, schmückt ein Relief mit biblischen Szenen. Im Chor sind die Stifter mit ihren Ehefrauen durch Steinfiguren verewigt. Im Gegensatz zu anderen Steinfiguren sind es Persönlichkeiten, deren Charakter auch in Stein gemeisselt zum Ausdruck kommt. Anmutig, ja fast verführerisch lächelt Reglindis, die Frau von Markgraf Hermann, während Uta, die Gemahlin von Ekkehard kühl und unnahbar wirkt.
Am Abend erreichen wir schliesslich Weimar, wo unsere Reisegruppe im Hotel Kaiserin Augusta einquartiert ist. Leider ist dieses überbucht, so dass zwei Ehepaare im ebenso stilvollen Hotel Anna Amalia Unterkunft finden.

5. Tag, Mittwoch, 23. September
„Nach Weimar zieht es die Deutschen gewaltig hin; es ist auch einzig in der ganzen Geschichte“, so notierte Robert Schumann 1828 in sein Tagebuch. Die ehemalige Hauptstadt des Herzogtums Sachsen-Weimar verbindet uns mit der Klassik. Goethe kam 1775 als 26-Jähriger nach Weimar und blieb hier bis zu seinem Tod 1832. Schiller verbrachte 18 Jahre in Weimar, wo er, erst 46-jährig, 1805 starb. Beide wurden in den Adelsstand erhoben. Zum kulturellen Erbe gehören unter anderen auch die Dichter Wieland, er war der Erzieher des Erbprinzen Carl August sowie Herder, die Musiker Bach, Liszt, Richard Strauss und der Architekt Walter Gropius, der Begründer des Bauhauses. Das Fundament für die Grösse Weimars legte aber eine Frau, die Herzogin Anna Amalia. 1759 übernahm sie an Stelle ihres früh verstorbenen Gatten die Regentschaft. Sie soll eine unkomplizierte, von Standesdünkel frei, kluge und begabte Frau gewesen sein. Ein wacher Verstand, Liebe zu Literatur, Kunst und Wissenschaft waren auch Eigenschaften ihres Sohnes Carl August, der bereits mit 18 Jahren die Regierung übernahm.
Die Stadtführerinnen hatten keine leichte Aufgabe, uns innerhalb von zweieinhalb Stunden die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu zeigen. Für uns alle beeindruckend der grosse Marktplatz mit den gepflegten, in dezenten Farben gehaltenen Renaissance-Bauten mit markanten Giebeln und reich verzierten Torbogen. Sie repräsentieren den einstigen Reichtum der Stadt. Besonders schön die Hofapotheke mit Erker. Die Fassaden dieser im Krieg zerstörten Häuser wurden plangetreu wieder aufgebaut. Von imposanter Grösse ist das barocke Goethehaus am Frauenplan, ein Geschenk des Herzogs. Goethe versah verschiedene Ämter am Hof. Das Szepter im Haushalt führte die wackere Christiane Vulpius. Erst nach 18 Jahren im Konkubinat wurde die Heirat 1806 mit der nicht standesgemässen Christiane vollzogen.
In nächster Nähe befindet sich das ehemalige Schloss, das zur Anna Amalia Bibliothek, einer Schatzkammer der Literatur, umfunktioniert wurde. 2005 durch einen Brand stark beschädigt, ist die Bibliothek heute wieder eröffnet. Bescheidener wirkt das Schiller-Haus. Von Ferne können wir auch einen Blick auf Goethes Gartenhäuschen werfen, das der Dichter mit folgenden Worten bedacht hat: „Übermütig sieht’s nicht aus, dieses stille Gartenhaus. Allen die darin verkehrt, ward ein guter Mut beschert“.
Erwähnenswert ist auch die „Herder“ Kirche mit dem Altarbild von Cranach Vater und Sohn. Wir können unserer Stadtführerin, Frau Gilg, nachfühlen, dass diese Kirche für ihre Familie und die Stadt mit Angst und Bangen verbunden ist, wenn sie uns erzählt, wie auch hier 1989 demonstriert wurde im Ungewissen, wie der Protest ausgehen würde.
Wo Licht ist, ist auch Schatten. Das erfahren jene aus der Gruppe, die am Nachmittag die Gedenkstätte Buchenwald besuchen. Hier, wo in guten Zeiten sich die Bürger Weimars tummelten, fanden in der Zeit des Nationalsozialismus die grössten Gräueltaten an unschuldigen Menschen statt. „Jedem das Seine“, heisst es am Eingang. Nach dem 1. Weltkrieg wurde in Weimar die 1. Republik mit Verfassung ausgerufen, die als „Weimarer-Republik“ in die Geschichte eingegangen ist. Im März 1932 wurde der 100. Todestag Goethes gefeiert. Ein Jahr später, 1933, wurde Hitler zum neuen Machthaber ausgerufen. Weimar wurde Gauhauptstadt und zum beliebten Aufenthaltsort führender Grössen des Hitler-Reiches.
Wir haben Weimar als gastfreundlich, reich an kulturellen Schätzen erlebt, Kunst und Kultur genossen. Dabei sind wir auch auf Widersprüchliches gestossen. Wir sind mit Tatsachen konfrontiert worden, die wir nur aus Geschichtsbüchern und Medien kennen. Vielleicht ist es gerade das, was eine Reise so wertvoll macht.

6. Tag, Donnerstag, 25. September
Nach kurzer Fahrt erreichen wir Erfurt, die Landeshauptstadt von Thüringen, mit rund 200 000 Einwohnern. Der Domplatz ist heute von einer Budenstadt belegt. Kermes ist angesagt. Menschenleer dagegen die Treppe mit ihren 70 Stufen, die zum Mariendom und zur Severikirche, beides katholische Gotteshäuser, führt. Wegen den zahlreichen Kirchen und Klöster wird Erfurt auch das „Thüringische Rom“ genannt. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaft an der Universität wurde Luther Mönch im Augustinerkloster und zum Priester geweiht. Im 17.und 18. Jh. sollen verschiedene Mitglieder der Familie Bach das Musikleben geprägt haben. Dank Handel und Waidfärberei kam die Stadt früh zu Reichtum. Zeugen davon sind prächtige Bauten verschiedener Epochen. Erfurt rühmt sich, die längste (120 m) bebaute und bewohnte Brücke Europas zu besitzen. Die kleinen, reizenden Geschäfte sind nach dem Stadtrundgang auch Anziehungspunkt unserer Reisegruppe. Auffallend sind die gepflegten Gaststätten. Zur Mittagszeit im Zentrum viele Fussgänger und grosser Verkehr, dominant auch die Strassenbahn. Im Gegensatz zu anderen Städten wurde Erfurt im 2. Weltkrieg wenig und nur punktuell bombardiert.
Am Nachmittag erreichen wir das nahe Städtchen Arnstadt. Auch hier rahmen prächtige Renaissancebauten den grosszügigen Marktplatz ein. Uns interessiert vielmehr die Bachkirche, in der von 1703 bis 1707 Johann Sebastian Bach als Organist tätig war. Das ganz in Weiss gehaltene Innere der Kirche wirkt etwas fremd, doch die Eleganz und Schönheit der Orgel lässt sich nicht leugnen. Nach einigen Wirren, Ueli Burkhalter hatte hier für unsere Reisegruppe ein Orgelkonzert ausgehandelt, kamen wir doch noch zu Musikgenuss. Auch in Arnstadt waren mehrere Musiker der Bachschen Familie tätig.
Vor unserer Weiterreise nach Eisenach führt uns Chauffeur Emil nochmals zurück nach Erfurt. Hier erwartet uns ein besonderer Leckerbissen, ein Liedervortrag mit 11 Sängerinnen. Ein wahrer Genuss, nicht nur wegen der schönen Stimmen, sondern auch wegen des Liedgutes. „Alles schweiget“ und „Abendstille“, für manche eine Erinnerung an die Singstunden der Schulzeit, andere kennen einige der Lieder aus dem Gesangsverein. Nostalgische Gefühle seien daher erlaubt!
Etwas später als vorgesehen erreichen wir Eisenach. Nicht im vorgesehenen Ibis werden wir untergebracht, sondern in einem neonbeleucheten „Penta“, das 2003 total neu renoviert wurde und heute einen chinesischen Besitzer hat.

7. Tag, Freitag, 26. September
Schon kurz nach 8 Uhr machen wir uns auf den Weg Richtung Wartburg. Im 12. Jh. erbaut, ist sie Wahrzeichen von Eisenach. Nach dem Reichstag zu Worms, wo der abtrünnige Luther geächtet wurde, liess ihn Kurfürst Friedrich der Weise heimlich gefangen nehmen und auf die Wartburg entführen. Als Junker Jörg lebte er hier von 1521 – 1522 und übersetzte den das Neue Testament aus dem griechischen Urtext in die Hochdeutsche Sprache. Er legte Wert auf eine einfache Sprache (dem Volk auf das Maul schauen). Es sollte jedermann möglich sein, die Bibel zu lesen. Mit dieser Übersetzung hat der Reformator den Grundstein zu unserer Hochdeutschen Sprache gelegt. Hier trafen sich einst auch Minnesänger zum Sängerwettstreit. Mit der Wartburg verbunden ist Richard Wagners Oper „Der Tannhäuser“. Darstellungen in der Elisabethen-Galerie erinnern an das wohltätige Leben der heiligen Elisabeth von Thüringen. Die Wartburg diente Ludwig II von Bayern zum Vorbild für den Bau von Neuschwanstein. Wunderbar gelegen, von bewaldeten Hügeln umgeben, gilt die Wartburg als touristische Attraktion und zählt zum Unesco-Weltkulturerbe.
Zurück in Eisenach gibt’s Mittagspause, die wir zum Besuch des klingenden Bachmuseums benützen.1685 wurde Johann Sebastian Bach hier geboren, wo auch weitere Mitglieder der Musikerfamilie ihren Wirkungskreis hatten. Nach einem Rundgang durch die Stadt geniessen wir den Sonnenschein auf dem Marktplatz. Eisenach ist seit Ende des 19. Jh. Industriestadt. Zu DDR Zeiten wurde hier das Auto der Marke „Wartburg“ gebaut. Nach der Wiedervereinigung nahm der Autohersteller Opel die Produktion in Eisenach auf. Bis heute zählt die Stadt 102 Industriebetriebe.
Nachdem wir uns während fast einer Woche mehrheitlich der Vergangenheit zugewandt haben, gilt es, wieder einen Schritt in die Gegenwart zu tun. Ueli Burkhalter hat dazu einen besonderen Ort ausgewählt: Volkenroda. Wir erreichen den ländlichen Ort in nordöstlicher Richtung von Eisenach durch schöne Waldgebiete. Das ehemalige Zisterzienserkloster wurde 1960 wegen Einsturzgefahr geschlossen. Die Wiedervereinigung brachte auch hier eine Wende. 1993 wurde es durch die „Jesus-Bruderschaft Gnadenthal“, eine Lebensgemeinschaft von Frauen, Männern und Familien, zu neuem Leben erweckt. Die Ruinen wurden restauriert und ausgebaut. Heute steht es als Bildungs- und Kulturzentrum unter dem Motto „Arbeit und Gebet“ der Bevölkerung zur Verfügung. Jugendliche finden hier Aufnahme und können ein Sozialjahr absolvieren. Von der romanischen Klosterkirche erhalten ist der Chor mit Apsis. Reste einer Christusfigur mahnen an das Gebet „Christus hat keine Hände, nur unsere Hände“. Einmalig ist der „Christus Pavillon“, eine Kirche des 21. Jahrhunderts, ein rechteckiger Komplex mit Kreuzgang aus Stahl, Glas und Marmor, der 2001 von der EXPO Hannover nach Volkenroda versetzt wurde. Sechs Kammern sind vom Künstler Andreas Felger nach Themen aus der Bibel farbig-abstrakt gestaltet: Der Innenraum überwältigt den Besucher durch Grösse, Höhe und Lichtfülle. Die dünnen, auf Glas geklebten Marmorplatten und die Stahlkonstruktion vereinigen sich mit der Sonneneinstrahlung zu einem Spiel mit Licht und Schatten. Wir sind uns bald einig, das vorgesehene Abendmahl hier zu feiern. Uelis Worte, unsere Gebete und Lieder, die von Marianne Engel und Christine Lehmann vorgetragene Musik auf dem Flügel bewegen uns alle tief. Der Kreis ist geschlossen.

Auf dem Rückweg legen wir einen Halt in der Nähe von Creuzburg ein. Ein Stück des dicken Eisenzaunes, der vor der Wende den Osten vom Westen trennte, wurde hier als Mahnmahl stehen gelassen. Unvorstellbar, wie viel Leid durch diese „Mauer“ den Menschen nach den grauenvollen Jahren des 2. Weltkrieges zugefügt wurde.
Wir nehmen viele Erinnerungen, glückliche und traurige, mit zurück in die Schweiz. Ich schliesse mit Theodor Fontanes Worten; „Alles Alte sollen wir lieben, aber für das Neue sollen wir eigentlich leben“.


Gemeindereise Deutschland
»
«
119 Bilder
 

publiziert am 18.10.2008



zurück
weitere Berichte


Anfang der Seite  -  Verantwortlich: Anita Stettler Portrait anzeigen  -  Evang.-ref. Kirchgemeinde Diessbach